Posts Tagged ‘Belgrad’

Einmal die Ohren langgezogen

9. Dezember 2008

Sziasztok! Ich befinde mich mal wieder im Zug – diesmal auf dem Weg nach Kaposvár im Südwesten Ungarns – und versuche nun die Zeit seit dem letzten Eintrag zusammenzufassen.

Zunächst einmal gibt es Neuigkeiten zu meiner Wohnsituation. Anders als im letzten Beitrag angekündigt, bin ich nach Anetts Rückkehr nicht bei Greg eingezogen, da meine Kollegen rechtzeitig eine neue Familie für mich finden konnten. Diese besteht aus meinen neuen Gasteltern, einer jüngeren Gastschwester und einem älteren Gastbruder, der momentan noch in Helsinki studiert und mit dem ich mir dann ein Zimmer teilen werde. Sie haben mich sehr nett aufgenommen und für mich gibt es damit mehr Gelegenheit meine Ungarischkenntnisse anzuwenden.

Ein Minarett in Eger

Spuren der türkischen Herrschaft in Ungarn: Ein Minarett in Eger

Es wird durchaus herausfordernd sein, mich in die Familie zu integrieren, da ich weiterhin viel zu tun habe und viel unterwegs bin. So bin ich aktuell für zehn Tage außerhalb von Budapest tätig: Mittwoch bis Freitag in Eger (Schulbesuche), Freitag bis Sonntag in Székesfehérvár (Treffen aller Gastschüler in Ungarn), Sonntag bis Freitag in Kaposvár (Schulbesuche). (Bildquelle des nebenstehenden Bildes: Wikipedia)

Mittlerweile bin ich auch das zweite Mal in Belgrad gewesen, um dort mit Diana ein Training für die dortige Ehrenamtlichen-Initiative durchzuführen, die hoffentlich bald zu einem vollwertigen Mitglied im AFS-Netzwerk wird. Dieses Mal haben wir dank Nachtzug drei volle Tage in der Stadt verbringen können. Belgrad wurde mir als Stadt der Gegensätze beschrieben, was ich zumindest in Bezug auf die Gebäude nachvollziehen konnte. Schöne, moderne Architektur in der einen Straße, verfallene Häuser in der nächsten.

Zum Abschluss noch eine erwähnenswerte und nette ungarische Tradition: Das Wünschen eines langen Lebens wird hier – gerade an Geburtstagen – durch das Langziehen der Ohren zum Ausdruck gebracht.

Viele Grüße, minden jót mindenkinek! Johannes

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Positives der Finanzkrise und vieles mehr

21. Oktober 2008

Hallo allerseits! Heute hatte ich das vorerst letzte Mal Ungarischunterricht und ich kann mittlerweile tatsächlich ein bisschen auf Ungarisch kommunizieren. Das beschränkt sich hauptsächlich auf einfache E-Mails, weil ich noch immer große Probleme habe, andere zu verstehen, aber es ist ein Beginn. Es ist vor allem die die schier endlose Anzahl an Suffixen, die das Zuhören schwierig machen. Auf dieser Website ist ein schönes Beispiel dafür zu finden: Ungarische-Sprache.de.

Auch wenn es sich schon jetzt auszahlt, bin ich doch froh, dass dieser Kurs erst einmal zu Ende ist. Täglich vier Stunden konzentriertes Lernen am Vormittag, zusätzlich 6 Stunden im Büro plus Hausaufgaben danach waren doch recht viel.

Das ungarische Parlamentsgebäude

Das ungarische Parlamentsgebäude von der Budaer Burg aus gesehen

Immerhin hatte ich die letzten zwei Wochenenden frei und konnte mir so Sehens-würdigkeiten wie die Burg und den Heldenplatz anschauen. Mit den AFS-Freiwilligen und Austauschschülern in Budapest gibt es immer viele Möglichkeiten etwas zu unternehmen und ich lerne die neue Mobilität eines Großstadt-ÖPNVs zu schätzen – die Bushaltestelle vor meiner Haustür wird auch um halb vier morgens noch im 5-Minuten-Takt angefahren.

Die Arbeit im Büro ist weiterhin sehr vielfältig. Ich habe zuletzt hauptsächlich Csilla unterstützt, also viel im Hostingbereich gearbeitet. Nach etwas mehr als einem Monat treten generell die meisten „Support Cases“, also schwerwiegendere Probleme zwischen den Austauschschülern und ihren Gastfamilien, auf. Als Büromitarbeiter in solchen Fällen mitzuhelfen bringt dabei gleich eine größere Verantwortung mit sich, an die ich mich erst gewöhnen musste/muss. Konkret bemühe ich mich beispielsweise die Probleme der Gastschüler zu verstehen, während Csilla sich dann bei der Familie erkundigt, um deren Sicht der Dinge zu erfahren. Danach vergleichen wir, was bei den oft stark abweichenden Meinung nicht immer leicht fällt, und sie übernimmt dann die Rolle des Mediators. Ich protokolliere dann den weiteren Konfliktverlauf und informiere die Partnerbüros. Diplomatie spielt dabei eine große Rolle, da die Partnerbüros sich in den meisten Fällen zunächst auf die Seite „ihres“ Gastschülers schlagen und als deren Lobby fungieren. Unter dem Druck der Eltern des Schülers fordern sie meist eine noch bessere Betreuung etc., woraufhin ich versichere, dass alles in unserer Macht stehende in die Wege geleitet wurde;)

Ein weiteres Arbeitsgebiet sind Trainings/Fortbildungen für Ehrenamtliche. Wir werden demnächst zwei solcher Veranstaltungen in Ungarn anbieten und Ende November – worauf ich mich besonders freue – eine in Belgrad für die serbischen Ehrenamtlichen. Dann werde ich für drei Tage dort bleiben und etwas mehr von der Stadt sehen können.

Der Heldenplatz

Der Heldenplatz

Am Donnerstag beginnen hier die Herbstferien (hehe, damals als Schüler…das waren noch Zeiten:-)) und ich werde für fünf Tage mit der Familie einer Ehrenamtlichen nach Prag fahren.

Zum Schluss noch ein für mich positiver Effekt der Finanzkrise. Diese hat nämlich mittlerweile auch Ungarn mit voller Wucht getroffen (siehe: N-TV.de), wodurch der Euro allein seit Anfang Oktober 13% gegenüber dem Forint zugelegt hat. Triviales Spekulieren: Lasse ich mir heute Forint aus dem Euro-Konto auszahlen oder morgen?

Kurztrip nach Belgrad

9. Oktober 2008

Gestern bot sich mir spontan die Gelegenheit nach Belgrad zu fahren. Anett war zur Gründungsveranstaltung von AFS Serbien eingeladen und ich konnte in diesem Zusammenhang meine FSJler-Rolle als Chauffeur ausfüllen.

Ich war vor Reiseantritt erst einmal überrascht, dass Belgrad nur ca. 400km von Budapest entfernt ist. Ich bekomme hier eine ganz neue Perspektive auf Europa: Belgrad, eine Stadt, die ich bisher nur mit schlechten Ereignissen in den Nachrichten verbinden konnte und da ja irgendwie so weit weg im Balkan liegt, ist von hier aus so schnell zu erreichen wie Köln von Bad Harzburg. Zudem fand ich es irgendwie sehr spannend in eine Stadt zu fahren, die vor weniger als zehn Jahren noch mit deutscher Unterstützung bombardiert wurde.

Ruine in Belgrad

Ruine in Belgrad

Nach einer angenehmen Fahrt durch den sehr schönen und idyllischen Norden Serbiens waren wir gegen 17 Uhr in Belgrad. Eine Stunde vor dem Beginn der Veranstaltung – gutes Timing, wie wir dachten. War es aber doch nicht, weil die Zufahrt zur Innenstadt vor unseren Augen aufgrund einer (Anti-? Pro-?) Karadzics-Demonstration gesperrt wurde. Die Weiterfahrt im sich bildenden Verkehrschaos war dann sehr abenteuerlich, auch wenn wir so recht viel von der Stadt sehen konnten. Ich fand es beeindruckend, die noch nicht beseitigten Ruinen von bombardierten Häusern zu sehen, von denen es noch einige im Stadtzentrum gibt.

Wir erreichten den Veranstaltungsort dann mit 45 Minuten Verspätung. Da war das offizielle Programm – darunter eine Rede des deutschen Botschafters – leider schon vorbei, aber wir konnten noch die dortigen Verantwortlichen kennenlernen. Wir haben beim Dinner auf Kosten der deutschen Botschaft über Kooperationsmaßnahmen (AFS Ungarn mit AFS Serbien) gesprochen, u.a. mit dem Ergebnis, ein gemeinsames Training für Ehrenamtliche in Belgrad zu organisieren. Meine Chancen noch einmal nach Belgrad zu reisen, stehen also gut. Ich würde gerne noch mehr von der Stadt sehen.

Um 3 Uhr morgens waren wir dann auch schon wieder in Budapest. Unser Fahrzeit/Aufenthaltsdauer-Verhältnis betrug somit ungefähr 3:1, aber gelohnt hat es sich trotzdem.